Mining Lab · Coinovo Academy · Risiko und Positionsgrösse
Wie man nicht alles verliert
Bitcoin hat mehrfach über achtzig Prozent vom Höchststand verloren und sich danach erholt. Wer das nicht aushalten kann, verkauft im schlechtesten Moment. Die Frage ist nicht, ob es passiert, sondern ob du dann noch schlafen kannst.
Ob du Bitcoin oder etwas anderes wählst, entscheidet weniger über dein Ergebnis als die Frage, wie viel Prozent deines Vermögens darin stecken. Eine gute Idee in falscher Grösse ruiniert dich trotzdem.
Positionsgrösse schlägt Auswahl.
Ein Verlust von 50 Prozent braucht 100 Prozent Gewinn zum Ausgleich. Bei 80 Prozent Verlust sind es 400 Prozent. Deshalb ist es wichtiger, grosse Verluste zu vermeiden, als grosse Gewinne zu suchen.
Das Risiko ist nicht der Betrag, sondern was sein Verlust in deinem Leben ändert. Geld, das in zwei Jahren für eine Wohnung gebraucht wird, ist kein Anlagegeld, egal wie überzeugt du bist. Ein Notgroschen von drei bis sechs Monatsausgaben gehört nicht in einen volatilen Markt.
Zuerst der Notgroschen, dann alles andere.
Wer einen festen Betrag regelmässig anlegt, kauft bei hohen Kursen weniger Stück und bei niedrigen mehr. Das nimmt dem Einstiegszeitpunkt seine Bedeutung und dem Bauchgefühl seine Rolle.
Mit geliehenem Geld wird aus einem Rücksetzer eine Zwangsliquidation. Bei zehnfachem Hebel reichen zehn Prozent Gegenbewegung. In einem Markt, der an einem Tag zehn Prozent macht, ist das kein Randfall.
Viele Kryptowährungen fallen gemeinsam, weil dieselben Anleger dieselben Positionen auflösen. Zehn Münzen statt einer sind darum meist keine Streuung, sondern dieselbe Wette in zehn Teilen. Echte Streuung verlangt Anlagen, die anders reagieren.
Zehn Münzen sind eine Wette, nicht zehn.
Zwei Depots mit derselben durchschnittlichen Rendite können verschieden enden, wenn die Verluste in verschiedener Reihenfolge kommen. Plus 50 Prozent und danach minus 50 Prozent ergeben nicht null, sondern minus 25. Schwankung kostet Geld, auch wenn der Mittelwert stimmt.
Zwei Anlagen werben beide mit zehn Prozent Rendite im Schnitt. Die eine macht jedes Jahr zehn Prozent. Die andere macht abwechselnd plus fünfzig und minus dreißig.
Der arithmetische Mittelwert der zweiten ist ebenfalls zehn Prozent. Das Ergebnis ist es nicht. Aus 100 werden 150, davon dreißig Prozent ab sind 105. Nach zwei Jahren also 105 statt 121. Nach zehn Jahren 128 statt 259.
Was zählt, ist der geometrische Mittelwert, und der liegt bei schwankenden Reihen immer unter dem arithmetischen. Der Abstand wächst mit dem Quadrat der Schwankung. Bei Bitcoin mit Jahresschwankungen von siebzig Prozent und mehr ist dieser Abstand groß.
Nicht tun kann man: die Schwankung wegwünschen. Sie ist eine Eigenschaft des Marktes und keine Frage der Auswahl.
Tun kann man zweierlei. Erstens die Positionsgröße so wählen, dass ein Rückschlag von achtzig Prozent im Depot keine Entscheidung erzwingt. Wer zwei Prozent seines Vermögens hält, verliert davon 1,6 Prozent und schläft weiter; wer sechzig Prozent hält, verkauft irgendwann.
Zweitens gestaffelt kaufen statt auf einmal. Das senkt die Schwankung des Einstiegspreises, nicht die des Marktes, aber genau der Einstiegspreis ist die einzige Größe, über die man Kontrolle hat.
Was nicht hilft: häufiger handeln. Jede zusätzliche Entscheidung ist eine weitere Gelegenheit, im falschen Moment zu handeln, und kostet nebenbei Gebühren.
Was du tust, wenn der Kurs halbiert, und was, wenn er sich verdoppelt. Wer das im Moment entscheidet, entscheidet mit Angst oder Gier. Aufgeschrieben ist es eine Regel; im Kopf ist es eine Stimmung.
Dies ist Unterrichtsmaterial und keine Anlageberatung. Es nennt keine Kursziele und empfiehlt keinen Kauf. Was es leisten kann, ist die Rechenwege zu zeigen, mit denen sich eine Entscheidung prüfen lässt, bevor der Markt sie für dich trifft.
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